Wahlkreis
Der Wahlkreis Bergedorf-Harburg ist nach der jüngsten Bezirksreform des Hamburger Senates ein verwaltungsrechtlich kompliziertes Gebilde geworden. Bergedorf nördlich und Harburg südlich der Elbe sind zwei eigenständige Stadtteile, die einander nicht einmal benachbart sind und ihre jeweils besondere historische Entwicklung durchlaufen haben.
Während Bergedorf eher Landstädtchen blieb, wuchs Harburg in seiner
preußischen Zeit zu einem wichtigen Industriestandort heran, der 1937
der Stadt Hamburg einverleibt wurde. Noch heute spürt man hier wie auch
in Bergedorf bei den Bewohnern eine gewisse Distanz zu „Hamburg“. Beide
Stadtteile haben auch heute noch eine zentrale Bedeutung für das
einstmals ihnen zugehörige Umland. Ihre Flächen schließen große
Landgebiete ein – alte Kulturlandschaften, die mit ihrem Obst- und
Gemüseanbau eine bedeutende Versorgungsfunktion für die Stadt haben und
die mit ihren zahlreichen Vereinen, von den Schützen bis zu den
freiwilligen Feuerwehren, als Wahrer alter Kulturtraditionen ein
stabiles Element der Gesellschaft bilden.
Bergedorf
Bergedorf habe ich früh
kennen gelernt: durch Freunde, die dort wohnen. Während meiner
Referendartätigkeit am dortigen Amtsgericht habe ich viel über die
Menschen und ihre Probleme im Stadtteil erfahren. In meiner Zeit als
Erster
Bürgermeister wurde über wichtige Projekte der Stadtentwicklung in
Bergedorf diskutiert und entschieden. So begannen die Planung für das
Quartier Neu-Allermöhe-Ost, mit dem wir eine besondere Wohnqualität für
junge Familien anstrebten: Wohnen am Wasser und ökologisches Bauen
leiteten die damaligen Überlegungen der Stadtplanung. In den
Folgejahren wurde die Wohnbebauung immer dichter, in kurzer Zeit
schnellte die Bevölkerungszahl nach oben. Dennoch identifizieren sich
die Menschen heute mit ihrem Stadtteil: soziale Probleme und
Reibungspunkte, die zu schnelles Wachstum zwangsläufig mit sich
bringen, werden engagiert angegangen, was nicht zuletzt ein Verdienst
engagierter sozialdemokratischer (Lokal)Politik vor Ort ist.
Bergedorf bewegt sich. Das nehme ich nicht nur in
den Wohnquartieren wahr, für die Neu-Allermöhe stellvertretend steht.
Wenn ich heute in Bergedorf aus dem Zug steige, empfängt mich eine
riesige Baustelle: Die Umgestaltung der Neuen Mitte, wo bis 2010 Bahn-,
Busbahnhof und ein Einkaufszentrum komplett neu entstehen, ist in
vollem Gange. Bergedorf steht für Fortschritt - aber auch für eine
lange und bewegte Geschichte. Bewahrens- und bewunderswert sind neben
dem Schloss - übrigens dem einzigen in Hamburg - die Sternwarte auf dem
Gojenberg, einem historischen Ensemble, das gute Chancen hat, als
Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Und natürlich die einzigartigen
Kirchen in den Vier- und Marschlanden, die mir immer einen Abstecher
wert sind.
In Bergedorf lässt sich gut wohnen. Und arbeiten.
Größter Arbeitgeber ist die Firma Hauni, ein traditionsreicher
Zigarettenhersteller-Betrieb, die übrigens lange die industrielle
Landschaft Bergedorfs geprägt haben. Selbst in der jetzigen Finanz- und
Wirtschaftskrise steht Hauni gut da. Wie auch die gesamte Bergedorfer
Wirtschaft, die ansonsten geprägt ist von kleineren und
mittelständischen Unternehmen, Handwerk und Dienstleistungen. Hoffen
wir, dass es so bleibt.
Harburg
Sagte man in der
unmittelbaren Nachkriegszeit noch zu Recht, in Harburg mit seiner
Gummi-und Ölindustrie werde das Geld verdient,
das in Hamburg ausgegeben werde, so holten die Probleme aller alten
Industrieorte bald auch Harburg ein. Es musste etwas getan werden, um
den drohenden Niedergang dieses großen Stadtteils aufzuhalten. Der wohl
wichtigste Punkt des Modernisierungsprogrammes, mit dem während meiner
Zeit als Hamburger Bürgermeister neue Impulse gegeben wurden, war die
Errichtung der Technischen Universität in Harburg. Rückblickend kann
man heute sagen, dass diese anfänglich umstrittene Entscheidung für
Harburg genau richtig war. Wer durch das von moderner Architektur
geprägte Harburger Hafengebiet streift, wird sofort begreifen, was ich
meine. Aber es bleiben genügend Probleme im noch immer starken
industriellen Sektor bestehen. Gerade in der jetzigen Finanz-und
Wirtschaftskrise müssen wieder viele Beschäftigte einstmals großer
Betriebe um den Verlust von Arbeitsplätzen durch Verlagerung oder
Betriebsschließung fürchten.
Das ist nicht anders auf der benachbarten
Elbinsel Wilhelmsburg, die früher zum Bezirk Harburg gehörte. Nun ist
sie nur noch Bestandteil des Bundestagswahlkreises 24, aber Teil des
Bezirkes Mitte. Wilhelmsburg hat eine ebenso schnelle industrielle
Entwicklung durchlaufen wie Harburg und hat nun ganz ähnliche Sorgen.
Mit der Entwicklung in Wilhelmsburg habe ich mich schon früh
beschäftigt- dank der Wilhelmsburger Parteifreunde, die zu mir in das
Hamburger Rathaus kamen, willens und stark, für die Zukunft ihrer Insel
zu kämpfen. Gemeinsam haben wir uns an dieses schwierige Projekt
gemacht, neuen Wohnraum geschaffen, ein Schwimmbad, das Bürgerhaus.
Neuer Optimismus ist durch die vielfältigen Planungen
derInternationalen Bauaustellung und der Internationale
Gartenausstellung in Gang gesetzt worden, die beide in Wilhelmsburg
stattfinden werden. Es ist heute schon absehbar, wie sehr sie das
Gesicht der Insel verändern werden. Das Image Wilhelmsburgs beginnt
sich zu verändern. Junge Leute und auch Künstler finden es plötzlich
attraktiv, hier zu wohnen. Und damit haben sie nicht unrecht. Wer nicht
nur Augen für Probleme hat, entdeckt neben den neuen kulturellen
Impulsen schnell auch die Schönheiten dieser Region zu beiden Seiten
der Elbe.
Ich möchte Sie deshalb einladen, einmal in meinen
Wahlkreis zu kommen. Sie werden erstaunt sein, welche Idyllen er
bietet: die Obstblüte im Alten Land, die stillen Wege in der Fischbeker
Heide, die einzigartigen Naturschutzgebiete Heuckenlock und die
Boberger Dünen, die Bunthäuser Spitze, die vielen Badeseen.
Um alles das lohnt es sich zu kämpfen:
-um die Menschen, die hier gut und im Frieden miteinander leben sollen und die auch zukünftig ihr Auskommen hier finden müssen,
-um die Natur, die von der Stadt nicht erdrückt werden soll, weil sie uns die Luft zum Durchatmen verschafft.
Auch
wenn der Bund nicht unmittelbar zuständig ist für die Lösung aller
kommunalen Probleme, so wirken die Entscheidungen von Parlament und
Regierung in Berlin doch mittelbar auf die Menschen, die hier leben,
ein. Deshalb werde ich mich in Berlin und in Brüssel für bessere
Bildungschancen, für eine aktive und nachhaltige Wirtschafts- und
Arbeitsmarktpolitik sowie den notwendigen sozialen Ausgleich in unserer
Gesellschaft einsetzen. Gerade jetzt, in diesen schwierigen Zeiten,
zeigt sich, dass es einen starken Staat braucht, der im Interesse aller
Menschen handeln kann.