Der arabische Frühling - Diskussion mit Hans-Ulrich Klose in Harburg
Hans-Ulrich Klose im Gespräch mit dem AK-Migration der SPD Harburg
Der arabische Frühling: Ein sowohl aktuelles als auch komplexes Thema, bei dem hinter jedem Satz ein Fragezeichen stehen könnte. Dabei geht geht es um eine für die EU entscheidende Nachbarregion, um demokratische Rebellionen und geo-politische Interessen. Hans-Ulrich Klose, stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und Wahlkreisabgeordneter für Bergedorf-Harburg, referierte zu diesem Thema und gab einen detaillierten Einblick hinter die Kulissen von Politik und Diplomatie.
Im Herbert-Wehner-Haus in Hamburg-Harburg fand auf Einladung des Arbeitskreises Migration eine Veranstaltung zum Thema „Der arabische Frühling – Umbruch im Spannungsfeld zwischen mehr Demokratie und islamischer Radikalisierung“ mit Hans-Ulrich Klose statt.
Den Kern bildete eine auf langjähriger persönlicher Erfahrungen und detaillierten Regionalkenntnissen aufgebaute Einschätzung der derzeitigen Lage. Als ausgewiesener USA-Experte begann Hans-Ulrich Klose mit der Sicht der Vereinigten Staaten auf die derzeitigen Veränderungen. Die strategische Entscheidung, sich nicht mehr als scheinbar alleinzuständige Supermacht in jeden Konflikt militärisch einzumischen, korreliert dabei mit den sich in den letzten Jahren zuspitzenden Entwicklungen in Maghreb und Mashreq, wo traditionell nur wenig gemeinsame Nenner zu finden sind.
Als solche Gemeinsamkeiten identifiziert Hans-Ulrich Klose vor allem die demographische Entwicklung (in den meisten Ländern ist die Hälfte der Bevölkerung unter 25 Jahren), eine Unzufriedenheit mit der endemische Armut und die Möglichkeiten moderner social media-Netzwerke, mobiler und leistungsfähiger Handys, aber vor allem die Wirkung von Al-Jazeera. Letzteres hat es in den vergangenen Jahren geschafft, über gesellschaftliche Grenzen hinweg ein breites politisches Bewusstsein zu schaffen.
Im Folgenden durchstreifte Klose die Länder des Nahen und Mittleren Ostens, beginnend von Tunesien und Ägypten, übergehend zu Libyen und Syrien, bis hin in den Jemen und Bahrain. Dabei analysierte er nicht nur die derzeitige Sicherheitslage, sondern argumentierte mit den zahlreichen Unterschieden in Geschichte, Religion und vor allem Bevölkerungszusammensetzung.
Gerade aufgrund dieses umfassenden Bildes stehen am Ende des Referats mehr neue Frage als zuvor beantwortet wurden - sehr zum Vorteil für die Diskussion. Nun war das Publikum an der Reihe. Die ersten Fragen bezogen sich auf die Situation in Saudi-Arabien, die Rolle der deutschen politischen Stiftungen und nach der widersprüchlichen Position Europas zwischen abwehrender Flüchtlingspolitik auf der einen und aufmunternden Gesten für die demokratischen Aufständischen auf der anderen Seite. Am Ende konzentrierten sich mehrere Fragen auf ein unausgesprochenes „Können die Demokratie?“ und was passiert, wenn die Amerikaner sich schneller zurückziehen als die Europäer? Sind letztere in der Lage, stärkere regionale Verantwortung zu übernehmen?
Hans-Ulrich Klose war überzeugt, dass es nur eine nachhaltige Demokratie geben kann, wenn diese ebenfalls fest in der Gesellschaft verankert und nicht von außen oktroyiert wird. Bezüglich der europäischen Entwicklung ist zur Zeit vieles in der Schwebe. Und grade jetzt sei der entscheidende Augenblick, sich für eine gesamteuropäische Zukunft zu entscheiden.
(Arslan Deichsel, Praktikant im Büro Klose)
Bilder zu der Veranstaltung finden Sie auf unserem flickr-account.