Februar
Küchengeschichte 1 / von Hans-Ulrich Klose
Die kubanische Schöne
hält noch immer
ihre Hände kreuz und brav
und schützend vor die Scham.
Aufrecht steht sie. Gegenüber
eine polnische Bäuerin
und die guatemaltekische Madonna.
Russischer Wein
räkelt sich über der Espressomaschine,
derweil
David, Celia und Ina (sie vor allem)
uns nahe sind
in Worten.
Zum Beispiel David:
hochaufgeschossen, rotohrig,
Vater Sprachwissenschaftler, Mutter Lehrerin.
Schwach in der Schule, Stottertyp.
Ernährung: Tee und selbstgebackenes Brot
und - nach Tabelle - Milchprodukte.
Jeder trägt sein Päckchen.
David trug lange daran. Einmal,
als die Not stärker war
als die Angst,
wurde er erwischt: beim Klauen
in einer Metzgerei.
Das war der Durchbruch, nicht gerade
zur großen, aber doch zur kleinen Freiheit.
Dagegen Ina,
fest verankert in der Society
oder was sie dafür hält,
sichere Adresse auf allen Einladungslisten,
seit kurzem
in Begleitung eines ältlichen SPDlers,
68er.
Davids Mutter,
kränkelnd,
noch immer Lehrerin
mit reduzierter Stundenzahl.
Der Vater, abgedriftet: bisweilen
sieht man ihn auf Flohmärkten.
1987