Zukunftsprojekt Bildungsreform gestoppt
Anmerkungen zum Hamburger Volksentscheid über die Schulreform
Nach den erregten Debatten, die unmittelbar nach dem Volksentscheid gegen die Einführung der Primarschule in Hamburg ausgebrochen waren, ist nun Ruhe eingekehrt. Der von der SPD vorgeschlagene 10jährige Schulfrieden scheint bereits Realität. Aber Vorsicht, das mag für Hamburg gelten, doch sicher ist auch das nicht. Denn obgleich mit dem "Nein" in Hamburg ein verhältnismäßig kleines Bundesland votiert hat, ist dieses Votum für die Vertreter einer konservativen Bildungspolitik bundesweit als Aufbruchsignal verstanden worden, ein für alle Male- oder doch wenigstens für möglichst lange Zeit- den lästigen Modernisierungsbemühungen im deutschen Schulwesen einen Riegel vorzuschieben. Und man mag angesichts der zersplitterten föderalen
Bildungslandschaft in der Tat Zweifel bekommen, ob es je gelingen wird, das Bildungswesen in diesem Land den Erfordernissen einer demographisch unter Druck geratenden, weltweit konkurrierenden wissensbasierten Gesellschaft anzupassen. Wir sehen ja schon heute, wie andere Länder an uns vorüber ziehen. Naiv, wer glaubt, man würde um die Konkurrenz der besten Köpfe diese gegebenenfalls aus dem Ausland „importieren“ können. Nein, wir werden uns auf eigene Ressourcen verlassen müssen, und da befinden sich vorausschauende Politiker in einer anderen Lage als Eltern, die subjektiv für ihre Kinder nur das Beste wollen; und für die es mit dazu gehört, den Druck konkurrierender Mitbewerber um gute Ausbildungs-oder Studienplätze und attraktive Jobs zugunsten ihrer Kinder zu minimieren. Gerade weil es das gute Recht von Eltern ist, erst einmal an das Wohl der eigenen Kinder zu denken, hätte ich mir gewünscht, es wäre gelungen, im Vorfeld des Volksentscheides deutlich zu machen, wie sehr diese Diskussion nicht nur eine Frage des Elternwillens ist. So sind diejenigen zuhause geblieben, die keine schulpflichtigen Kinder oder Enkel mehr hatten und die sich nicht zur Verteidigung des Gymnasiums in seiner althergebrachten Form aufgerufen fühlten. Das muss akzeptiert werden und hilft vielleicht, etwas weniger gutgläubig auf das Mittel des Volksentscheides als Ausdruck direkter Demokratie zu vertrauen. Der Blick auf die Schweiz lehrt in dieser Hinsicht noch manches mehr. Es wird nun darum gehen, sich nicht in Fragen der Strukturreform ideologisch zu verbeißen, sondern Wege zu finden, jenseits der Primarschule die damit verbundenen Bildungsziele zu erreichen.
P.S.: Nach Aussage der Schulsenatorin müssen mit dem Scheitern der Primarschulreform 17 Millionen Euro , die dafür veranschlagt worden waren, in den nächsten Jahren nicht ausgegeben werden; und die dafür vorgesehenen zusätzlichen Lehrerstellen würden auch eingespart. Das klingt nach Bestrafung und ist genau die Reaktion, die wir für eine ernste Bildungsdiskussion nicht brauchen können.
