Die Energiewende geht uns alle an:
Irgend jemand wird immer betroffen sein
1981 bin ich als Hamburger Bürgermeister zurückgetreten. Ich wollte den Bau des vierten Hamburger Atomkraftwerkes Brokdorf verhindern; damals nicht aus Gründen der Sicherheit, sondern wegen der bis heute ungelösten Entsorgungsfrage.
Heute dominieren in der Debatte Sicherheitsprobleme, die nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima nicht mehr verdrängt werden können. Wegen dieser (unlösbaren) Probleme bin auch ich für den geordneten Ausstieg. Und für einen zügigen und geordneten Umstieg in eine sichere Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien: Wind, Sonne, Wasser und Biomasse. Die große Mehrheit der Deutschen befürwortet diesen Umstieg, zugleich aber formiert sich Widerstand, vor allem gegen neue Windkraftanlagen, Hochspannungsleitungen und Pumpspeicherwerke. Das ist aus der Sicht vor Ort verständlich und gleichwohl irritierend; vor allem, wenn als Grundsatz gelten soll, dass Windkraftanlagen nur an Standorten errichtet werden sollten, „die von den betroffenen Bürgern akzeptiert werden“. Wenn das von der Politik akzeptiert wird, kann die Energiewende nicht gelingen. Denn irgend jemand wird immer „betroffen“ sein. Und überhaupt: Wer sind „die Betroffenen“? Im wohlverstandenen Interesse der Gesamtbevölkerung kann deshalb als Prinzip nur gelten, dass die für die Betroffenen vor Ort am wenigsten störende Lösung (auch wenn sie teurer ist) realisiert werden soll. Welche Lösung das ist, darüber muss mit den Menschen vor Ort diskutiert werden. Darauf – aber eben nur darauf – haben sie einen Anspruch.